Vitaliy Hubarenko: Kammersinfonie Nr. 1 für Violine und Orchester op. 14 (1967)

Vitaliy Hubarenko:

geboren 13. Juni 1934 in Kharkiv

gestorben 5. April 2000 in Kiew

 

Entstehungszeit:

1967

 

Aufnahme auf Youtube:

Valeriy Sokolov 2018 (live)


Aufmerksam gemacht auf diese Kammersinfonie Nr. 1 für Violine und Orchester des ukrainischen Komponisten Vitaliy Hubarenko (1934-2000) haben das Programm des Youth Symphony Orchestra of Ukraine und dessen Europa-Tournee im Jahr des brutalen Angriffskrieges Russlands 2022.  Vitaliy Hubarenko (auch Gubarenko geschrieben) komponierte während und nach der Sowjetzeit speziell fürs Musiktheater, belebte aber auch viele andere Gattungen und speziell die Kammersymphonie für Solostreichinstrumente.

 

In einem Interview beschrieb er sein Komponieren folgendermassen: «Kurz gesagt, geht es mir vor allem um die Verfeinerung der Themen und die Vielfalt ihrer inneren Zusammenhänge, die sich im Laufe der symphonischen Entwicklung ergeben. Ohne ein solides thematisches Fundament kann ich mir keine ausdrucksstarke, lebendige Musik vorstellen. Ideal ist ein Werk, in dem alle Komponenten thematisch abgerundet werden und Teil eines allgemeinen Systems von Transformationen sind.» Gerade seine Kammermusik Nr 1 ist voll lyrischer Momente und intensivem Ausdruck, die auf polyphonen Techniken und einer freien Transformation von Folklore basiert. Sie ist emotional anrührend, und doch klare transparente Musik.

Hier zu hören!

 

Hörbegleiter:

I. ANDANTE CANTABILE

Sanftes Beginnen und leise Akzente im Orchester erbitten gleichsam Aufmerksamkeit für den silbernen Einsatz einer sehnsüchtigen heimatlichen Melodie der Geige. Getragen wird diese von einer wiegenden Bewegung im Orchester, die dann aber abrupt von kadenzierenden Geigenfigurationen abgelöst wird. Die Geige führt langsam aus dieser lyrischen Stimmung hinaus und geht zu einer mehr erzählenden Geigenpassage über. Auf Orchesterklangwolken eilt die Geige voran, dann erklingen aus dem Orchester erstmals dunklere Töne, aber die Geige übernimmt wieder den melodischen Lead und bringt folkloristische Melodieerinnerungen. Doch ein Orchesterrhythmus schiebt sich beharrlich unter das schwärmerische Singen der Geige. Flöte und Fagott bringen selbst ihre Melodien mit ein und im Duo von Sologeige mit erster Geige fransen die polyphonen Melodienlinien langsam aus…. 

II. ALLEGRO ENERGICO – MENO MOSSO - ALLEGRETTO

Stille und neuer Ansatz:  Die Geige startet wild und rhythmisch und wird vom Schlagzeug unterstützt. Anlauf um Anlauf von Geige und Orchester, die Musik steigert sich in gewaltige Eruptionen. Wilde Bewegung im Orchester! Doch kaum ist eine Eruption vorbei, startet die Geige wieder ihren ausgelassenen Lauf….bis hin zur Erschöpfung.

Dann beginnt ganz allein ein Fagott ein Drei-Viertel-Takt-Tanz-Fughetto, die Geige übernimmt das Tänzchen, Klarinette und Flöte gesellen sich tänzerisch dazu. Die Geige kämpft um ihre führende Stellung, das Orchester aber schaukelt mit und singt zu den Pizzicati der Geige eine nostalgische Hornmelodie und lässt schliesslich die Geige ganz allein in einer Kadenz stehen, eine Violin-Kadenz, die plötzlich von Einsamkeit und Verlorensein zu klagen scheint…

Bald aber fängt das Orchester die Geige mit sanften Klängen wieder auf… bis sich die Geige an ihre heimatliche Melodie erinnert, leise einer Sehnsucht folgend, die im Träumen ausklingt.



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