Amanda Maier Röntgen:  Violinkonzert d-moll in einem Satz

        Einsatz des Solos der Geige
Einsatz des Solos der Geige

Amanda Maier Röntgen

geboren 20. Feb. 1853 in Landskrona (Schweden)

gestorben 15. Juli in Amsterdam

 

Entstehungsjahr: 1875

 

CD-Empfehlungen:

Gregory Maytan 2015 

Cecilia Zilliacus 2021


Gerade 22 Jahre alt war Amanda Maier, als sie ihr Violinkonzert schrieb. Bereits mit 20 schloss sie in Stockholm ihr Geigenstudium mit sensationell guten Noten ab und ging dann zum Weiterstudium in die Musikstadt Leipzig, wo noch immer das Erbe von Mendelssohn und Schumann zu spüren war.  Sie studierte Geige bei Engelbert Röntgen, Vater ihres späteren Gemahls, und Komposition bei Carl Reinecke und Ernst Friedrich Richter. Ihr Violinkonzert schrieb sie für sich selbst und ihre bald einsetzenden Tourneen als Geigerin durch Schweden und Norwegen. Als sie 1880 den Komponisten und Pianisten Julius Röntgen heiratete, hörte sie auf, auf Tourneen zu gehen und öffentlich aufzutreten. Sie komponierte allerdings weiter und führte in Amsterdam einen Salon, wo berühmte Gäste wie etwa Eduard Grieg, Josef Joachim und Johannes Brahms vorbeikamen. Früh wurde sie krank, schrieb noch 3 Jahre vor ihrem Tod ein bemerkenswertes Piano-Quartett in e-moll. Sie starb in ihrem 41. Lebensjahr. Das frühe Violinkonzert der damaligen Ausnahme-Geigerin zeugt von grossem Selbstbewusstsein und reiht sich stilistisch in die Nachfolge der Violinkonzerte von Beethoven, Mendelssohn und Schumann ein. Leider ist nur ein Satz erhalten, Amanda Maier scheint noch zwei weitere Sätze komponiert zu haben, aber Aufführungsprogramme belegen, dass sie auch nur diesen knapp 20 Minuten dauernden ersten Satz separat aufgeführt hat. 

Hier zu hören

Satzüberschrift:  Allegro risoluto

Nur ganz kurz wird das Hauptthema risoluto vom ganzen Orchester eingeführt, dann übernimmt sofort die Geige das Hauptthema und präsentiert eine in d-Moll-Ernsthaftigkeit rhythmisch vorandrängende Melodie. 

Die Sologeige leitet spielerisch in hoher Lage zu einem entschieden zupackenden Orchesterzwischen-spiel über, übernimmt dann aber wieder selbst mit gesanglichen Läufen und virtuosen Doppelgriffpassagen die Führung.

 

 

Die Solo-Geige beruhigt sich erst, als die Klarinetten das zweite wunderschön ausgesungene, lyrisch-liedhafte Thema (in F-Dur) anklingen lassen, das die Geigerin dann sofort übernimmt. Man kann sich zärtliche Gefühle einer aufkeimenden Liebe vorstellen. Ob hier Amanda für Julius im Hause Röntgen komponierte, wie es einst Schumann für Clara tat? Hörnerklänge begleiten diese zauberhafte Stimmung. Ein drittes, mehrfach absteigendes Motiv im Orchester, begleitet von der Geigerinnen-Virtuosität, beendet die Exposition und führt zu einer phantasievollen Durchführung. Geigenläufe und Orchestereinwürfe lösen sich ab, geben aber der Geigerin alle Möglichkeiten, zu zeigen, was in einer Geige steckt.

 

 

Die Reprise des Hauptthemas erscheint zuerst in der Geige, dann im vollen Orchester. Aber nochmals erinnert die Geige an das zauberhafte Liebesthema, dieses Mal in D-Dur, das bald auch von Flötenklängen übernommen wird. Wie im Beethoven-Konzert begleitet und umschmeichelt die Geige diese schöne Melodie. Es ist belegt, dass Maier während der Komposition dieses Konzertes das von Joachim wiederentdeckte Beethoven-Konzert Opus 61 einstudierte. Das zeigt sich auch an der anschliessenden, von Maier auskomponierten Kadenz, wo Oktavengänge wie bei Beethoven am Schluss wieder ins Orchester zurückführen. Schwungvoll beenden dann Orchester und Geige virtuos im Mit- und Nacheinander diesen jugendlich selbstbewusst auftrumpfenden Konzertsatz.


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